Depression – Volkskrankheit oder hilfloses Label?

Anmerkungen zum >>rapiden Anstieg<< depressiver Störungen aus psychoanalytischer Sicht

von Dr. med. Klaus Poppensieker

Ende Juli ging eine überrascht, ratlos und verwundert geführte kurze öffentliche Beschäftigung mit einer Studie der Barmer GEK zur drastischen Zunahme depressiver Erkrankungen in Deutschland durch die Medien. Eine neue „Volkskrankheit Depression“ wurde beschrieben: Alarmierend seien die Zahlen (Spiegel online), ein volkswirtschaftliches Problem wird sofort mit ausgemacht. 117 % Zuwachs bei depressiven Störungen seit dem Jahr 2000. 129 % Zuwachs bei Klinikeinweisungen wegen psychischer Störungen. Verdoppelung der Klinikbehandlungen wegen Depressivität innerhalb der letzten 10 Jahre, enorm hohe Rückfallquote, den Leidenden könne oft nicht wirklich geholfen werden. Gleichseitig liest man Empfehlungen zum persönlichen Neustart, „Wege aus der Burn-Out-Falle“ werden angekündigt. Tagesschau, Süddeutsche Zeitung und Stern alarmieren in ähnlicher Weise: „Neue Volkskrankheit“, „hohe Rückfallquote“, „enorme gesellschaftliche Kosten“. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker, wird überall zitiert. Sein Unternehmen allein habe 672 Millionen Euro für die Versorgung psychisch Kranker in Kliniken ausgeben müssen. Aus Kostengründen müsse die Behandlung im ambulanten Sektor gefördert werden und man müsse fragen „ob jeder Fall ins Krankenhaus gehöre?“ Zwischen den Zeilen teilt sich die Frage mit: Weisen die niedergelassenen Kollegen zu schnell, unbegründet ein?

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